100 Jahre Scheurebe

Brauchen wir  in Deutschland wirklich den Weltenbummler Sauvignon Blanc, wenn wir die Scheurebe haben?  Diese Frage stelle ich mir jedesmal, wenn ich einen Wein aus dieser nun 100jährigen weissen Rebsortenkreuzung im Glas habe und meine Nase tief in selbiges stecke. Betörend und verführerisch sind die Aromen, die schnell aufsteigen: Cassis, reife Birne, Weinbergspfirsich, manchmal Limette, Grapefruit oder Mango. Gut stützend und animierend dann die Säure, die die Scheurebe in der Regel zeigt. Damit ist sie ideal für das Keltern lieblicher und süßer Weine.

Geschaffen hat diese Kreuzung aus Riesling und Bukettrebe der leidenschaftliche Rebenzüchter Georg Scheu, der in der damaligen Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey, Rheinhessen, arbeitete. „Dr.-Wagner-Rebe“, „S88“ oder „Sämling 88“ wurde seine Schöpfung noch bis 1945 genannt. Unter zuletztgenannter Bezeichnung taucht sie bis heute in Österreich auf.

Ihren Zenit erlebte die aromatische Rebsorte in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. in diesem Zeitraum verdoppelte sich ihre Anbaufläche nahezu. Heute sind es 1.423 Hektar, die bei uns in Deutschland mit der Scheurebe bestockt sind, was einem Anteil von 1.4 Prozent an der Gesamtrebfläche von derzeit 102.000 Hektar entspricht. Den größten Scheurebe-Anteil, rund 740 Hektar, weist dabei Rheinhessen auf. Dann folgt die Pfalz mit etwa 350 Hektar und die Nahe mit 105 Hektar. Darüberhinaus finden wir diese intensiv duftende Rebsorte auch in Baden und in Franken.

Aufgrund einer großen Palette unterschiedlichster Ausbaustile und Qualitätsabstufungen ist die Scheurebe ein wandlungs- und anpassungsfähiger Essensbegleiter. Ob als trockener, spritzig-fruchtigen Aperitifwein, als kräftig-trockene Spätlese oder als edelsüße Auslese, auch 100 Jahre nach ihrer Geburt sorgt diese vielschichtige Rebsortenkreuzung für Begeisterung.

Hier ein paar Weinempfehlungen

 

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